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Internationale Charta für Weltraum und Naturkatastrophen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Internationale Charta für Weltraum und Naturkatastrophen (englisch International Charter on Space and Major Disasters), ist eine Übereinkunft zwischen partizipierenden Raumfahrtagenturen weltraumgestützte Daten und Informationen zur Unterstützung von Hilfsmaßnahmen in Katastrophenfällen zur Verfügung zu stellen. Die Charta ist einzigartig durch ihre Fähigkeit, Agenturen weltweit mit ihrem Knowhow und ihren Satelliten zu mobilisieren und zwar kostenlos für den jeweiligen Nutzer. Dazu steht ein zentraler Zugriffspunkt an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr zur Verfügung. Seit ihrer erfolgreichen Implementierung im November 2000 stellt die Charta immer wieder weltraumgestützte Daten nach plötzlichen Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Wirbelstürmen, Tsunamis, Erdbeben, Erdrutschen, Waldbränden und Vulkanausbrüchen, zur Verfügung sowie auch nach industriellen Großunfällen oder großen Ölverschmutzungen.[1]

Geschichte

Im Anschluss an die Third United Nations Conference on the Exploration and Peaceful Uses of Outer Space (UNISPACE III) in Wien im Juli 1999 initiierten die Europäische Weltraumorganisation (ESA) und die Französische Raumfahrtagentur (CNES) die International Charter on Space and Major Disasters. Die Kanadische Weltraumagentur (CSA) schloss sich ihnen bald darauf an. Inzwischen ist die Charta auf eine Gruppe von 17 Mitgliedern angewachsen, und Satellitendaten von 61 Satelliten wurden zur Beobachtung von mehr als 640 Katastrophenereignissen seit dem Jahr 2000 eingesetzt. Durchschnittlich wird die Charta bei rund 40 Katastrophen jährlich aktiviert. Weitere Details und viele aus Satellitendaten abgeleitete Produkte und Karten können der „Activations List“ auf der Website der Charta eingesehen werden[2]. Im Jahr 2017 gewann die Charta den renommierten William Thomas Pecora Preis, der jährlich vom US Geological Survey (USGS) an Einzelpersonen oder Teams verliehen wird, die die zivile Nutzung der Fernerkundung entscheidend voranbringen[3].

Mitglieder

Die folgenden 17 Raumfahrtagenturen sind derzeit Mitglieder der Charta und stellen im Rahmen von Charta-Aktivierungen Daten ihrer Erdbeobachtungs-Satelliten zur Verfügung (Stand 2020):[4]

Organisation und Arbeitsweise

Für jeden Katastrophentyp hat die Charta jeweils die für die Katastrophenhilfe nützlichsten Satellitensensoren und Aufnahmeoptionen identifiziert, die dann im konkreten Fall einer Aktivierung schnellstmöglich angefordert werden. Das Mandat der Charta beschränkt sich dabei auf die schnelle und kostenlose Bereitstellung von Satellitenaufnahmen, jedoch werden oft auch daraus abgeleitete Informationsprodukte wie Karten und Schadensbewertungen zur Verfügung gestellt. Neben neugewonnenen Daten werden auch Archivbilder so schnell wie möglich bereitgestellt, um Schäden im Vergleich der Satellitenbilder von vor und nach der Katastrophe zu visualisieren. Solche Informationen erlauben einen wertvollen Überblick über Gebiete, die am Boden nur schwer zugänglich sind, und helfen somit dabei, zerstörte Infrastruktur zu identifizieren und Gebiete ausfindig zu machen, in denen Hilfe besonders dringend benötigt wird. Die Charta wird von „autorisierten Nutzern“ – in der Regel nationale Katastrophenschutzbehörden – ausgelöst. Für jede Aktivierung der Charter wird ein Projektmanager benannt, der die Bereitstellung hilfreicher Informationen an den Nutzer koordiniert.

„Universal Access“-Initiative

Mit dem Ziel, den Zugang zur Charta für Nutzer weltweit weiter zu erleichtern, haben sich die Mitgliedsagenturen auf das Prinzip des „Universal Access“ verständigt. Dies bedeutet, dass grundsätzlich jede nationale Katastrophenschutzbehörde weltweit in die Lage versetzt werden soll, ein Hilfegesuch an die Charta zu übermitteln. Dabei müssen festgelegte Abläufe befolgt werden, aber es spielt keine Rolle, ob der Notruf aus dem Land eines Charta-Mitglieds oder aus einem anderen Land kommt. Nationale Behörden können zum „autorisierten Nutzer“ der Charta werden, indem sie sich registrieren und an einem Training teilnehmen.

Literatur

  • Danzeglocke, J. (2014): Hochwasserkatastrophen – Unterstützung aus dem All. In: Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, Ausgabe zfv 1/2014.
  • Mahmood, A. (2012): Monitoring disasters with a constellation of satellites – type examples from the International Charter ‘Space and Major Disasters’. In: Geocarto International, Band 27, Nummer 2, 2012, doi:10.1080/10106049.2011.622051.
  • Martinis, S.; Twele, A.; Plank, S.; Zwenzner, H.; Danzeglocke, J.; Strunz, G.; Lüttenberg, H.-P. und S. Dech (2017): The International Charter ‚Space and Major Disasters‘: DLR’s Contirubutions to Emergency Response Worldwide. In: PFG – Journal of Photogrammetry, Remote Sensing and Geoinformation Science, Volume 85, Number 5, 2017, doi: 10.1007/s41064-017-0032-1.
  • Schulz, M. und J. Danzeglocke (2018): Hilfe aus dem All – Satelliten liefern Daten für den Katastrophenfall. In: DLR Newsletter Countdown 37 (2018)
  • Voigt, S.; Giulio-Tonolo, F.; Lyons, J.; Kučera, J.; Jones, B.; Schneiderhan, T.; Platzeck, G.; Kaku, K.; Hazarika, M. K.; Czaran, L.; Li, S.; Pedersen, W.; James, G. K.; Bequignon, J. und D. Guha-Sapir (2016): Global trends in satellite-based emergency mapping. In: Science, Volume 353, Issue 6296, 2016, doi: 10.1126/science.aad8728.

Einzelnachweise

  1. Disaster Charter – Charter Geobrowser Tool. International Charter on Space and Major Disasters. Zuletzt abgerufen am 15. Juli 2020.
  2. Disaster Charter – Activation Details. International Charter on Space and Major Disasters. Zuletzt abgerufen am 15. Juli 2020.
  3. International Charter wins prestigious Pecora Award International Charter on Space and Major Disasters. 22. November 2017. Zuletzt abgerufen am 15. Juli 2020.
  4. Disaster Charter - Charter in Numbers International Charter on Space and Major Disasters. Zuletzt abgerufen am 15. Juli 2020.
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